Wohlverhaltensperiode – Was genau ist das?

Unter dem Begriff Wohlverhaltensperiode versteht man den Zeitraum während einer Privatinsolvenz, vom Eröffnungstag der Insolvenz bis zu dem Tag der Restschuldbefreiung. Während dieser Zeit muss sich derjenige, welcher die Insolvenz beantragt hat, gegenüber seinen Gläubigern wohl verhalten.

Wie lang dauert die Wohlverhaltensperiode?

Insgesamt beträgt die Zeitspanne 6 Jahre ab dem Tag der Eröffnung der Insolvenz durch die Privatperson. Sollte der Schuldner die Verfahrenskosten komplett übernehmen, kann die Zeitspanne auf 5 Jahre verkürzt werden. Wenn er dann noch mindestens 35% der Insolvenzforderungen ausgeglichen hat, ist eine Restschuldbefreiung bereits nach 3 Jahren möglich.

Es gibt auch sachliche Gründe, bei welchen die Wohlverhaltensperiode auch beendet wird. Diese Gründe liegen vor, wenn der Schuldner sowohl die Kosten der Privatinsolvenz, als auch alle angemeldeten Forderungen beglichen hat.

Wie ist der Ablauf bei einer Wohlverhaltensperiode?

Während der Zeit der Wohlverhaltensperiode muss der Schuldner sein komplettes Vermögen und pfändbares Einkommen dem Insolvenzverwalter zur Verfügung stehen. Der Insolvenzverwalter wird damit die Verfahrenskosten begleichen sowie vertretbare Quoten an die Gläubiger auszahlen.

Sollte es in diesem Zeitraum zu einer Erbschaft kommen, so darf der Schuldner nur 50% davon behalten, die restlichen 50% muss er an den Treuhänder abgeben, der wiederum die Schuldentilgung damit vornimmt. Kauft sich der Schuldner von „seinen“ 50% neue Güter wie ein Auto oder eine teure Uhr, dann dürfen diese Gegenstände nicht gepfändet werden.

Der Schuldner muss sich des Weiteren eine feste Erwerbstätigkeit suchen und diese auch nachweisen. Alle persönlichen Änderungen, wie einen Wohnungswechsel muss er ebenfalls an den Insolvenzverwalter melden.

Möchte der Schuldner eine Zahlung an einen Gläubiger leisten, dann darf dies nicht direkt an ihn gehen, sondern muss ebenfalls an den Insolvenzverwalter geleistet werden, welcher die Zahlung an den Gläubiger weitergibt. Dies betrifft jedoch nur die Beträge, welche in die Insolvenzmasse fallen. Offene Zahlungen, welche während der Wohlverhaltensperiode entstehen, gehören nicht dazu.

Auch wenn der Gedanke herrscht, dass der Schuldner während dieser Zeit keine neuen Verbindlichkeiten eingehen darf, so ist dem nicht so. Er muss diese nur aus seinem nicht-verpfändbaren Einkommen bedienen, dann ist alles in Ordnung.

Folgen bei nicht ordnungsgemäßem Verhalten während der Wohlverhaltensperiode

Der Schuldner selbst hat in der Hand, wie diese Zeit für ihn gestaltet werden kann und vor allem früher beendet werden könnte. Verhält er sich während der Zeitspanne grob vertragswidrig, dann kann das Gericht die Restschuldbefreiung ablehnen. Gründe können hierfür sowohl nicht gezahlte Vergütungen der Treuhänder oder eine Nichtangabe zusätzlicher Einkünfte sein. Nur allein das Verhalten des Schuldners führt jedoch nicht dazu, dass die Restschuldbefreiung nicht gewährt wird. Zusätzlich muss mindestens ein Gläubiger einen Antrag dazu stellen, denn nur wenn diese beiden Voraussetzungen erfüllt sind, erst dann kann die Restschuldbefreiung versagt werden.