Lohmann Ruchti Effekt – Was versteht man darunter?

Der Lohmann Ruchti Effekt zeigt einen speziellen Effekt in der Finanzierung aus Abschreibungen ohne die Verwendung von Fremdkapital. Genauer gesagt, werden hierbei aus Abschreibungen gewonnene finanzielle Mittel in neue Reinvestitionsgüter investiert. Hiermit kann man unter Umständen eine Erweiterung von betrieblichen Kapazitäten erzielen. Man spricht deshalb beim Lohmann Ruchti Effekt auch vom Kapazitätserweiterungseffekt.

Erweiterung betrieblicher Kapazitäten

Man kann durch die Kapitalfreisetzung aus verbrauchsbedingten Abschreibungen bei einer Reinvestition in ein gleichwertiges Gut oder eine Produktionsanlage eine Erweiterung der Kapazitäten erreichen. Hintergrund hierfür ist, dass die Unternehmen die Abschreibungen für die Nutzung der Produktionsanlagen in die späteren Verkaufspreise der mit der Maschine hergestellten Erzeugnisse mit einkalkulieren. Es ist allerdings so, dass die Abschreibungen über den Verkaufspreis früher vergütet werden, als die Maschine verschlissen und somit abgeschrieben ist und eine neue Produktionsanlage notwendig ist. Dadurch hat das Unternehmer freigesetztes Kapital früher zur Verfügung, um neue Investitionen zu tätigen.

Hier ein Beispiel aus der Praxis:

Ein Unternehmen besitzt 2 Maschinen, welche je einen Wert von 150.000 € hat. Diese werden vom Unternehmer auf 3 Jahre linear mit je 50.000 € pro Jahr abgeschrieben. Durch eine gezielte Reinvestition der Abschreibungen im 1. Und 2. Jahr kann im 2. Jahr bereits eine neue Maschine angeschafft werden, da dem Unternehmen nun 200.000 € zur Verfügung stehen (2 Jahre x 2 Maschinen x 50.000 € = 200.000 €).

Welche Voraussetzungen gibt es für die Kapazitätserweiterung?

Da der Lohmann Ruchti Effekt nur ein theoretisches Phänomen ist, kann dies nur unter bestimmten Voraussetzungen entstehen. Diese Voraussetzungen sind die folgenden:

  • Die Finanzierung der ersten Maschinen muss gesichert sein
  • Die Abschreibungsdauer muss der Nutzungsdauer der Maschinen entsprechen
  • Forderungen müssen liquidiert werden und als Liquidität zur Verfügung stehen
  • Die Wiederbeschaffungswerte der Anlagen müssen konstant bleiben und die Reinvestition muss am Ende des Jahres stattfinden
  • Am Markt muss es eine entsprechende Nachfrage geben, sodass die neuen Kapazitäten auch genutzt werden können
  • Die Finanzierung des Umlaufvermögens muss sichergestellt sein
  • Eine Berücksichtigung von Zinseffekten findet nicht statt

Berechnung des Kapitalerweiterungseffekts

Sind alle oben genannten Voraussetzungen erfüllt, dann kann man folgende Formel zur Berechnung des Kapitalerweiterungseffekts anwenden: KEF (Kapitalerweiterungseffekt)=2*n/(n+1). N stellt hierbei die Nutzungsdauer in Jahren dar.

Welche Kritik gibt es am Lohmann Ruchti Effekt?

Es gibt eine ganze Reihe von Kritik am Lohmann Ruchti Effekt. Beispielsweise entspricht der Abschreibungsverlauf nicht unbedingt dem tatsächlichen Werteverzehr, wenn man steuerrechtliche Nutzungsdauern und Abschreibungsmethoden zugrunde legt. Natürlich ist eine Kapazitätserweiterung nur dann sinnvoll, wenn auch die Nachfrage vorhanden ist und die produzierten Waren später verkauft werden können. Ist das Investitionsobjekt Teil einer Anlage, so müssen auch die vor- und nachgelagerten Anlagen erweitert werden. Weiterhin sieht die Anfangsinvestition keine Verwendung von Fremdmitteln vor, was nicht der industriellen Praxis entspricht. Es gibt noch weitere Kritik, dies waren also nur ein paar Aufzählungen.